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Weniger Tierversuche, aber mehr stark belastete Tiere

2025 wurden in der Schweiz so wenig Tiere in Tierversuchen eingesetzt wie noch nie seit Beginn der Erhebung vor 43 Jahren. Gleichzeitig stieg die Zahl der Tiere in stark belastenden Versuchen auf den höchsten Stand seit 26 Jahren. Für den Schweizer Tierschutz STS zeigt die neue Tierversuchsstatistik des Bundes ein gemischtes Bild: Der Rückgang der Gesamtzahlen ist erfreulich, gleichzeitig bleibt die Förderung von Alternativmethoden wichtiger denn je.


2025 wurden in der Schweiz insgesamt 507’863 Tiere in Tierversuchen eingesetzt. Das sind rund drei Prozent weniger als im Vorjahr und zugleich die tiefste Zahl seit Beginn der Erhebung im Jahr 1983, wie aus dem aktuellen Bericht des Bundes hervorgeht. Tierversuche werden in der Schweiz je nach Belastung für die Tiere in vier Schweregrade eingeteilt. Während die Schweregrade 0 und 1 gemäss Bund keine oder nur geringe Belastungen umfassen, stehen die Schweregrade 2 und 3 für mittlere beziehungsweise starke Belastungen. Bei den Tierversuchen des Schweregrads 2 erreichte die Zahl der eingesetzten Tiere 2025 den tiefsten Stand der letzten 10 Jahre. Aus Sicht des Schweizer Tierschutzes STS ist diese Entwicklung grundsätzlich positiv. Gleichzeitig ist es noch früh, daraus einen langfristigen Trend abzuleiten. Entscheidend wird sein, ob sich die Entwicklung in den kommenden Jahren fortsetzt.

Höchststand bei stark belastenden Tierversuchen

Weniger erfreulich entwickelte sich die Zahl der Tierversuche im Schweregrad 3. Dabei handelt es sich um Versuche mit starken Belastungen für die Tiere, in den meisten Fällen Mäuse. 2025 wurden 29’413 Tiere in solchen Versuchen eingesetzt – 7,4 Prozent mehr als im Vorjahr und so viele wie seit 26 Jahren nicht mehr. Insgesamt steigt die Anzahl der Tierversuche in dieser Kategorie seit Jahren, was insbesondere mit Forschungsprojekten zur Krebsforschung sowie zur Erforschung neurologischer und psychischer Erkrankungen zusammenhängt. Aus Sicht des Tierwohls ist das keine erwünschte Entwicklung. Gleichzeitig müssen die Zahlen differenziert betrachtet werden. Ein erheblicher Teil dieser Versuche dient der Erforschung schwerer Krankheiten beim Menschen, für die derzeit nicht in allen Bereichen ausreichend aussagekräftige Alternativmethoden zur Verfügung stehen. Rund 78 Prozent der Tiereinsätze im Schweregrad 3 entfielen auf die Grundlagenforschung – Methoden mit schwer vorhersehbaren Ergebnissen, die medizinisches oder biologisches Basiswissen liefern sollen, statt direkt Medikamente zu testen oder Krankheiten zu heilen. Der STS wird die Situation deshalb weiterhin genau verfolgen.

3R bleibt der Schlüssel

Für den STS zeigt die aktuelle Statistik vor allem eines: Die Entwicklung und der Einsatz von Alternativmethoden sowie die Optimierung des Tierwohls müssen konsequent weitergeführt werden. Grundlage dafür ist das sogenannte 3R-Prinzip. Es verfolgt drei Ziele: Tierversuche ersetzen (Replace), die Anzahl der eingesetzten Tiere reduzieren (Reduce) und Belastungen für die Tiere minimieren (Refine). Eine aktuell hängige parlamentarische Initiative lehnt sich an dieses Prinzip an, um es flächendeckend in der Schweizer Forschung noch besser zu verankern. Die Kernforderungen sind:

  • Mehr Transparenz:
    Bisher erfährt die Öffentlichkeit oft erst nach Jahren und nach Abschluss eines Versuchs, was genau gemacht wurde. Das soll sich ändern, indem Forschende künftig vorab leicht verständliche Zusammenfassungen der Tierversuchs-Projekte einreichen. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) veröffentlicht diesen Bericht direkt nach der Bewilligung. Es wird sichtbar, welche Anstrengungen die Forschenden unternehmen.
  • Mehr Geld und Strukturen für Alternativen:
    Der Bund soll verpflichtet werden, die 3R-Methoden aktiv zu fördern. Es sollen Ressourcen in moderne Labor-Infrastrukturen sowie in die Ausbildung von jungen Forschenden fliessen. Es sollen zudem die gesetzlichen Grundlagen für eine zentrale Stelle geschaffen werden, die dabei helfen soll, tierversuchsfreie Methoden offiziell prüfen und anerkennen zu lassen, damit sie schneller eingesetzt werden können.
  • Weniger Bürokratie:
    Die Bewilligungsverfahren sollen beschleunigt und insgesamt verbessert werden. Aktuell gibt es teilweise lange Wartezeiten oder unvollständige Gesuche. Neu sollen Fachstellen die Forschenden schon früh dabei unterstützen, qualitativ hochwertige Anträge zu schreiben. Vorgesehen ist eine Arbeitsteilung zwischen Fachstellen und den kantonalen Tierversuchskommissionen. Letztere konzentrieren sich auf die inhaltliche Prüfung.

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